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Wahrgenommen werden

14. Okt.
7 Min. Lesezeit

Ich drücke mich schon ewig davor, diesen Beitrag zu schreiben. Vor ein paar Tagen nahm ich an einer systemischen Familienaufstellung teil, als Represäntantin. Das bedeutet, man stellt seine Familie nicht selber auf, sondern spielt Anteile oder Familienmitglieder der aufstellenden Person. Bei der letzten Aufstellung war ich die Grossmutter der Aufstellerin. Man würde denken, dass dies irgendwie wahrgenommen wird, aber ich habe es überhaupt nicht gemerkt. Es war, als wäre ,,meine Enkelin'' gar nicht da. Ich habe sie als Person überhaupt nicht gespürt oder wahrgenommen. Sie schaute mir in die Augen mit diesem verzweifelten und dennoch hoffnungsvollen Blick ,,nimm mich wahr'' ,,gib mir etwas irgend eine Emotion''. Bei mir war nichts. Ich sah sie an und spürte sie wünscht es sich, aber bei mir waren keine Emotionen vorhanden. Ich sah es komplett objektiv. Als wäre Sie eine Fremde Person. Für mich war das sehr eindrücklich zum einen weil man ja immer Resonanz mit der ,,Rolle'' hat (darauf komme ich nachher zurück) und zum anderen weil ich mir immer ein oder schöngeredet habe, dass meine Angehörigen schon etwas spüren, sie können es nur nicht zeigen. Mit dieser Aufstellung wurde mir bewusst, dass dies nicht so ist. Man ist schlicht und ergreifend Luft, nicht da, man IST nicht. Quasi das Gegenteil von ,,sein''. Wie soll man sich denn da selber wahrnehmen? Ich spürte eine solche Gleichgültigkeit dass ich nur erahnen kann wie ich mich früher gefühlt haben muss. Zerschmetterte Hoffnung jedes Mal wenn Emotionen geteilt werden wollten. Nicht vorhandene Gefühle seitens der Eltern. Mir wurde klar, dass effektiv nichts da ist. Es ist eine etwas ernüchternde Erkenntnis. Ich habe dies schon mehrfach geahnt, aber ich hatte es mir immer schön geredet. Es ging alleine um Kontrolle und Erwartungen. Ich selber habe Resonanzen mit der Rolle, sonst wäre diese mir nicht zugeteilt worden, sie wäre energetisch nicht an mich herangetreten. Ich machte mir Gedanken. In wie fern nehme ich mich selber überhaupt wahr und was bedeutet das? Nehme ich Louis richtig wahr? Sehe ich ihn überhaupt? Und wenn ja, wie merke ich das, wie zeigt sich das? So viele Fragen in meinem Kopf. Fangen wir mit der ersten an. In wie fern nehme ich mich selber überhaupt wahr? Das ist schwierig zu sagen: Wenn man als Kind nicht wahrgenommen wird ist man gar nicht richtig da, nicht präsent. Das spüre ich bei mir sehr. Im Moment sein ist schwierig, weil der Moment Wahrnehmung bedeutet. Und das bedeutet sein. Und wenn das einzige was man kennt ,,nicht sein'' ist, stellt das eine Herausforderung dar. Wahrnehmung von sich selber bedeutet somit ,,Gefahr''. Es ist fremd, fern ab von allem Bekannten. Man existiert eigentlich gar nicht wirklich, man ist eine Illusion, über die gesprochen wird, wofür es aber keine Beweise gibt. Man ist nicht spürbar, nicht greifbar. Dies zieht sich dann auch durch das Leben als erwachsene Person. Andere spüren einem nicht, wissen nicht was sie mit dir anfangen sollen, weil sie merken du bist nicht greifbar, schwebst in der Atmosphäre rum. Vermutlich bist du immer in aller Munde, über dich wird gesprochen. Ein Mysterium sozusagen. Beweise für die eigene Existenz fehlen weil das ICH nicht vorhanden ist, nicht gesehen mit seinen eigenen Talenten, Gefühlen, Sehnsüchten. Somit muss man die eigene Existenz immer wieder beweisen, und wie kann man das machen? Durch Anerkennung. Wenn man anerkennt wird, existiert man. Durch die Anerkennung anderer hat man die Kraft auf Erden anzukommen und aus der schwebenden, vernebelten Atmosphäre auszutreten. Somit macht man alles für die Anerkennung und nichts aus wahrhaftiger Handlung heraus. Irgendwie verständlich mit solch einem Hintergrund, trotzdem steht man irgendwann da und merkt dass diese oberflächliche Art zu geben und zu leben einem nie in die Präsenz bringen wird, nicht zufriedengestellt, es fühlt sich falsch an.

Somit ist Anerkennung der Beweis für deine Existenz. Und diese will man unbedingt beweisen. Wie sieht das im praktischen aus? Man lebt in einer totalen Illusion, führt hunderte von Selbstdialogen, verhält sich so, wie man glaubt anerkannt zu werden. Da dies bei jeder Person variiert, lebt man ein ziemlich anstrengendes Leben.

Somit ist der Frieden nicht garantiert, nachdem man so hoffnungsvoll sucht. Es bleibt Krieg gegen sich selber. In wie fern nehme ich mich wahr? Durch die Augen der mich einst betreuenden Personen. Ich nehme wahr, was mir widerspiegelt wurde über mich. Und das ist nicht gerade fähig oder Selbstbewusst.

Nach Definition ist Anerkennung: Würdigung, Lob, Achtung, Respektierung. Das würde ja bedeuten um zu Beweisen dass ,,das selbst'' (ICH) existiert, richtet man sich ständig nach diesen vier Worten aus, wie ein Junkie, wie ein Abhängiger. Das würde die diversen Stimmen erklären die gegeneinander sprechen. Aber in wie fern genau? Gehen wir mal die einzelnen Wörter gemeinsam durch:

Würdigung: Wertschätzung. Wie kann man also nach Wertschätzung streben? Durch Leistung meistens. Die Würdigung seiner Arbeit, seiner künstlerischen Leistungen, seiner Idee, Kreativität. Da fängt es schon mal an, dass die meisten Absichten nicht reinen Herzens sein können, da sie auf einer Reihe von Illusionen basieren, über die man sich selber in den meisten Fällen gar nicht bewusst sein kann, wenn man nicht eine ewige Zeit und Mühe investiert. Bedeutet so viel wie: Die Handlungen beruflicher, ja sogar teilweise angeblich selbstloser Natur (non-Profit, Freiwilligenarbeit) basieren auf der Sucht nach Anerkennung oder um bei diesem ersten Wort zu bleiben Wertschätzung. Wie sieht Würdigung gedanklich aus? Oder was hat man für Gedanken, wenn man die Würdigung durch sich selber und andere erhofft, beziehungsweise zur Existenzbeweissicherung braucht? Nach eingehender Würdigung des für und wieder wurde der Plan gebilligt. Das würde meine ständig diversen Stimmen erklären die gegeneinander sprechen, als wären hundert Personen in meinem Kopf. Und meine Zögerung gefühlt vor jeder Handlung.

Wie sieht das also konkret aus wenn man gewürdigt wird? Menschen fragen nach, zeigen echtes Interesse, man bekommt Aufgaben übertragen, weil andere an die eigene Kompetenz glauben, es wird danke gesagt verbale Würdigung wie ,,das hast du gut gemacht'' wird ausgesprochen, durch kleinere Gesten wie zum Beispiel ein kleines Geschenk, ein nettes lächeln, eine Einladung. Wenn all dies nicht vorhanden war in deiner Kindheit ist die Chance relativ hoch sich dessen ständig durch fremde oder weniger fremde Personen bereichern zu wollen. Unbewusst. Also wie viel von dem was du tagtäglich machst , machst du aus wahrem Interesse an der anderen Person und wie viel ist aufgrund eines reinen Anerkennungsbedürfnisses? Dies passiert alles im Unterbewusstsein, dein inneres kreiert durch Gedanken Emotionen und Handlungen, die deinen Glauben bestätigen oder dich zu einer Bestätigung bringen. Gedanken können auch aufeinander aufbauen, sodass sie sich früher oder später wieder in die gleiche bekannte Emotion bringen. Das bedeutet, wenn dir auch nie Aufgaben übertragen wurden weil nicht an deine Kompetenz geglaubt wurde, suchst du dir zum einen Menschen, die dir Anerkennung schenken und dir Aufgaben übertragen könnten, zum anderen kreierst du aber eine Realität, in der die Menschen die du um dich herum hast wieder wie deine Eltern an deiner Kompetenz zweifeln. Hier sind wir wieder bei den Polaritäten und wieder muss sich gefragt werden, was füttere ich?

Ohne den Kampf nach Anerkennung ist man nur ein Schatten, eine schwebende Figur. Aber was ist so schlimm daran? Ist dies nicht das gewohnte? Also in wie fern will man überhaupt seine Existenz beweisen? und was würde das mit sich ziehen? Vielleicht wäre man dann noch schlimmer dran oder man wüsste überhaupt nicht wie das ist, was dann passieren würde. Also könnte man theoretisch auch gedanklich und emotional zusätzlich gegen Anerkennung argumentieren. Was wäre denn das Gegenteil von Anerkennung? Ablehnung, Missachtung, Geringschätzung. Wir bewegen uns in den Polaritäten, welche auf der Erde ein Grundgesetz bilden. Bedeutet das nun, dass jeder Mensch diese Prozesse macht, ein teil bewusster ein anderer weniger bewusst, aber da jeder mit den Polaritäten lebt, ist vielleicht die Frage hier: Wie geht man damit um? Wenn beides so präsent scheint. Muss man sich bewusst für eines entscheiden? Wie geht man damit um, wenn das andere immer wieder anklopft. Ignorieren? Klappt an manchen Tagen, aber bei weitem nicht bei allen, nicht mal in den Meisten. Und wenn man die Anerkennung zur Beweissicherung braucht, braucht man dann auch die Ablehnung und Missachtung? Was braucht man denn alles noch, um seine Existenz zu beweisen. Schwebende Figur hört sich auch erst mal nicht unangenehm an. Muss man keine Verantwortung übernehmen. Erkennt ihr anhand der Fragestellung ein Muster? Innere Kämpfe.

Entscheidungen: Ich denke die Polaritäten sind ein Gesetz Gottes. Somit können wir uns nur wahrnehmen in unserem sein, wenn wir uns zuerst in unserem ,,nicht sein'' , beziehungsweise in all dem was wir nicht sind bewegt haben. Quasi ohne Schatten kein Licht. Entscheidungen spielen in dieser Geschichte eine massive Rolle. Zu wem entscheidest du dich zu sein? Das müssen keine gravierenden Entscheidungen sein, es kann etwas banales sein wie ,,ich habe bereits die Schuhe an und gehe mit meinem Hund Gassi, bemerke vor dem rausgehen das Licht des Dampfabzuges brennt noch. In diesem Moment kann ich mich dazu entscheiden es zu ignorieren, weil ich faul bin und nicht noch einmal die Schuhe ausziehen will um das Licht auszuschalten oder ich mache es. Solche Entscheidungen definieren wer du bist, was du fütterst, wie viel Negativität du in dir Raum gibst. Wenn du dich dagegen entscheidest, das Licht auszumachen ziehst du eine Kette weiterer negativen Ereignissen sowie Gedanken und Emotionen in dein Leben (ich spreche aus Erfahrung). Wie eine Reaktion die man nicht mehr unter Kontrolle hat. Diese Ergebnisse deiner armen Entscheidungen zeigen sich nicht immer unmittelbar, es kommt darauf an. Das kann sich auch sehr gut über Jahre kumulieren und ehe du dich versiehst geht es dir gut und ,,BAAAAMMMMM'' ein Unfall, Krankheit, eine andere heftige Situation nimmt dein Leben, deinen Raum, deinen Platz ein. Du fragst dich dann ,,womit habe ich das verdient'' wieso passiert mir das? Vergessen hast du aber deine Entscheidungen, die du über Jahre trafst die nicht in Übereinstimmung mit dem waren, wer du bist. Du entschiedest dich dazu, dich weiterhin in der Negativität zu bewegen, im Egoismus, in der Heuchelei. Das ist das Ergebnis. Der Verantwortung für seine Taten muss man irgendwann gegenüber stehen.

Wahrnehmung von sich selber bedeutet somit Gefahr, weil sobald man sich wahrnimmt sieht, wo man sich bewegt und bewegt hat. Im nicht-seienden, fern ab von Gott, fern ab von Gottes Wille und seiner Bestimmung für dich, deiner Bestimmung für das Ganze. Das sieht man garantiert auch nicht gerne beziehungsweise macht Angst und deshalb könnte es sein, dass man diesbezüglich in einer Vermeidung ist sich selber wahrzunehmen, da die Negativität auch dazu gehört.

Also wie entscheidest du dich in Zukunft? Für oder gegen dich?



 
 
 

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